Am 17. März 2026 traf sich eine deutsch-niederländische Gruppe von Fachleuten in Gronau zum dritten und abschließenden Workshop im Rahmen des grenzüberschreitenden Stresstests JCAR-ATRACE – GPRW. Das Treffen knüpfte an die seit Ende 2023 bekräftigte Zusammenarbeit an und stand im Zeichen der gemeinsamen Auswertung der Ergebnisse für die Einzugsgebiete von Vechte, Berkel und Issel sowie der Festlegung der nächsten Schritte für den Zeitraum 2026–2027.
Gemeinsame Auswertung der Ergebnisse
Während des Workshops wurden die Ergebnisse des Stresstests gemeinsam ausgewertet: eine Analyse, die das Wassersystem mit einem Extremszenario „unter Druck“ setzt, um Schwachstellen und möglicheFolgen unter anderem für die Wasserwirtschaft, das Krisenmanagement und raumplanerische Entscheidungen aufzuzeigen. Da Wasser nicht an der Grenze Halt macht, wurde auch erörtert, wie ein gemeinsamesVerständnis der Abhängigkeiten zwischen Ober- und Unterlauf dazu beiträgt, Risiken und die diesbezügliche Kommunikation besser aufeinander abzustimmen.
„Die gemeinsame Interpretation grenzüberschreitender Kartenbilder regte wertvolle Diskussionen an und bietet Chancen für ein gemeinsames Systemverständnis und eine gemeinsame Umsetzungsagenda."
— Angela Klein, Deltares
Technischer Hintergrund
Im Stresstest wurden mehrere Szenarien mit hydrologischen und hydrodynamischen Modellen durchgerechnet. In diesem Workshop lag der Schwerpunkt auf dem überregionalen Szenario von 200 mm Niederschlag in 48 Stunden (mit einer feuchten Ausgangslage), ergänzt durch Varianten (u. a. eine trockenere Ausgangslage oder 300 mm Niederschlag in 48 Stunden). Wo möglich, wurden die bestehendenModelle der Wasserwirtschaftsbehörden genutzt, um durch eine Kombination dieser Modelle ein möglichst vollständiges Wasserbild zu erhalten. Präsentationen der TU Braunschweig und des IfW, von HKV Lijn in Water und FloodWaive vermittelten weitere Einblicke in den technischen Hintergrund.
Ergebnisse des Stresstests
Die Ergebnisse wurden anhand von Karten und Indikatoren auf Einzugsgebietsebene dargestellt. Große Gebiete können überflutet werden. Unter diesen Umständen können die Abflussmengen höher ausfallen als historisch gemessen, mit potenziell weitreichenden Folgen: Insgesamt können 126 km² städtisches Gebiet mindestens 1 cm unter Wasser stehen, und auch kritische Infrastruktur kann gefährdet sein (Feuerwehr, Gesundheitswesen, Krankenhäuser und Kläranlagen). Der größte Schaden wurde für das Vechte-Gebiet berechnet (3,6 Milliarden Euro), während im Einzugsgebiet der Berkel deutlich geringere Schäden zu erwarten sind (400 Millionen Euro).
Feedback und Handlungsansätze
In den Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmer in drei Gruppen (zwei rund um die Vechte und eine für Berkel/Issel) über die Darstellungen und darüber, inwieweit diese mit ihren Erwartungen und ihrer Ortskenntnis übereinstimmen. Anschließend haben sie über Handlungsansätze und Maßnahmen nachgedacht. Für jede Art von Maßnahme (Krisenmanagement, Raumordnung, Hochwasserschutzmaßnahmen und Wasserbewusstsein) wurde diskutiert:
was kann jede Organisation bereits jetzt mit den Ergebnissen anfangen, welche Schritte sind für GPRW und JCAR-ATRACE vielversprechend und welche zusätzlichen Informationen werden noch benötigt. Dabei kristallisierten sich auch konkrete Folgemaßnahmen heraus, wie beispielsweise die Nutzung der Stresstest-Ergebnisse für die bevorstehende GPRW-Übung im Jahr 2027 und als Grundlage für einen gemeinsamen Aktions- oder Gebietsplan oder für die Zukunft auch die Verknüpfung mit Dürre, um zu einem integralen Stresstest zu gelangen. Außerdem äußerten die Teilnehmer den Wunsch, das 200-mm-Szenario in Beziehung zu einem HQ100-Szenario zu setzen und auch Szenarien zwischen diesen beiden zu berechnen, um ein besseres Gefühl für die Kipppunkte im System zu bekommen.
Nächste Schritte
Das gesammelte Feedback und die Ideen dienen als Grundlage für die nächsten Schritte und Maßnahmen in den Jahren 2026 und 2027. Die Organisatoren stellen die Präsentation und eine Übersicht über die identifizierten Maßnahmen zur Verfügung und versenden den Abschlussbericht im zweiten Quartal mit der Bitte um Feedback (ein kurzer Teil mit Methodik, Szenarien, Ergebnissen und Empfehlungen sowie ein technischer Hintergrundbericht über Modelle und Verknüpfungen). Dieser Bericht wird auch in der Wissensdatenbank der JCAR-ATRACE-Website veröffentlicht.